Logbuch: Expedition Berufsorientierung

Reinhard Mohn - Gedanken zur Berufswahl

Ich bin aus Gütersloh, ich war Schülerin am Evangelisch Stiftischen Gymnasium und mich verbindet viel mit Bertelsmann - sowohl mit der Stiftung als auch mit dem Unternehmen. Das sind schon drei gute Gründe, warum es mich beeindruckt hat, Worte von Reinhard Mohn zu hören zur Berufswahl. Artikuliert hat er sie im Alter von 16 Jahren, veröffentlicht wurden sie nun noch einmal anlässlich seines 100. Geburtstages. Sehr zeitlos und noch immer sicher ein guter innerer Kompass, für jeden, der sich daran orientieren möchte. Ich zitiere: 

"Ich will so viel leisten, wie nur irgend in meinen Kräften steht", schreibt er. Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft will er übernehmen, angetrieben "vom Wunsch nach innerer Freiheit" und einem mit Sinn erfüllten Leben.  

Allen jungen Menschen, die nun gerade wieder ihre Laufbahnen beginnen wünsche ich, dass sie ebenfalls ihren Anspruch an sich so deutlich ausdrücken können - und dabei auch viel Erfolg haben!

World Economic Forum: Future of Jobs Report

Dem Bericht zur Zukunft der Jobs des World Economic Forum zufolge werden heutige Schüler zu 65 Prozent in Jobs arbeiten, die es heute noch nicht gibt. Dazu kann man in der Schule sicherlich einiges an Inhalten entrümpeln und modernisieren - aber auch mit heute aktuellen Themen wäre das Problem noch nicht gelöst, dass die schulische Ausbildung veraltet sein wird, bevor junge Leute ihren beruflichen Platz gefunden haben. Umso wichtiger scheint es mir, sorgfältig auf die eigenen persönlichen Stärken zu schauen. Die Persönlichkeit entwickelt sich auch, aber nicht rasant. Und einen guten Blick auf eigene Stärken zu haben, seine Talente und Potenziale zu kennen - das hilft bei jeder neuen beruflichen Entscheidung, klar zu sehen und die Optionen souverän zu bewerten.

MY CA­RE­ER­MAP - JETZT AUCH AUF FACE­BOOK

Studienberatung und Unterstützung bei der Berufsfwahl sind immer schon und jedes Jahr ein relevantes Thema gewesen. Letztes Jahr und dieses Jahr ist es für Abiturient:innen und Schulabsolvent:innen aber noch einmal schwieriger geworden, denn manche Optionen fallen einfach noch immer weg. Neben den Infos, die wir hier geben oder über die ich gelegentlich auf Linkedin poste, haben wir nun auch eine facebook Firmenseite aufgemacht. Sie wird von Therese Kowollik betreut und den Schwerpunkt stärker auf dem Kölner Angebot haben, gilt aber letztlich für alles, was wir bei MY CAREERMAP machen. Tob Dich aus, Therese!

Nicht nur für an­ge­hen­de Me­di­zin­stu­den­ten in­ter­es­sant:
Tipps fürs 1,0 Ab­itur von ei­ner, die es ge­schafft hat!

Hier ist noch­mal An­ne­lie und ich möch­te euch heu­te un­be­dingt wie­der ein Buch vor­stel­len. Dies­mal habe ich es nicht im Rah­men mei­nes Prak­ti­kums ge­le­sen, son­dern schon viel eher: vor vier Jah­ren als ich mein Ab­itur ge­macht habe. Das Buch heißt „Schluss mit un­ge­nü­gend! Wie ich vom schlech­ten Schü­ler zum 1,0 Ab­itu­ri­en­ten wur­de – und wie du das auch schaffst“ (Wein­stock, 2016). Als ich mir das Buch da­mals von mei­nen El­tern ge­wünscht habe, sorg­te das für gro­ße Ver­wir­rung, denn ein un­ge­nü­gend stand bei mir noch nie auf dem Zeug­nis. Ich hat­te im­mer ei­nen Ein­s­er­schnitt, aber eben kei­ne 1,0. Da­vid Wein­stock, der Au­tor, hin­ge­gen be­zeich­ne­te sich selbst als „äu­ßerst mit­tel­mä­ßig mit Ten­denz zu schlecht“ und sam­mel­te in sei­ner Schul­lauf­bahn ei­ni­ge Vie­rer und Fün­fer. Mit den Tipps und Tricks, die er in sei­nem Buch ver­rät, hat er aber ein Ab­itur mit 1,0 ge­schafft. Und ich üb­ri­gens auch.  Ihr seht also, dass man ein Trau­ma­bi schaf­fen kann, un­ab­hän­gig von den bis­he­ri­gen No­ten. Gute No­ten sind kein He­xen­werk und ha­ben nur we­nig mit stun­den­lan­gem Ler­nen zu tun. Viel wich­ti­ger ist es, zu ver­ste­hen, wie der Schul­be­trieb funk­tio­niert und die­ses Wis­sen stra­te­gisch zu nut­zen.
Ins­ge­samt ist das Buch in vier Be­rei­che un­ter­teilt. Im ers­ten Teil geht es um die in­ne­re Ein­stel­lung, mo­ti­vie­ren­de Ziel­set­zung und grund­le­gen­des Wis­sen über die Ober­stu­fe. Na­tür­lich lockt das Buch mit dem 1,0 Ab­itur. In dem Ka­pi­tel wird aber auch deut­lich ge­macht, dass man sich auch ei­nen an­de­ren Schnitt als Ziel set­zen kann und das Buch trotz­dem su­per hilft. Teil 2 be­fasst sich mit ge­schick­tem Ver­hal­ten in­ner­halb der Schu­le und hilft be­son­ders, um die münd­li­chen No­ten zu ver­bes­sern. Die Hin­wei­se, die dort er­läu­tert wer­den, kann­te ich zum Teil, an­de­re wa­ren eine völ­lig neue Er­kennt­nis für mich. Aber selbst bei den Tipps, die ich schon kann­te, war es gut sie noch­mals zu le­sen, um sie aus­drück­li­cher in mein Ver­hal­ten zu in­te­grie­ren. Ähn­li­ches gilt für die Tipps in Teil 3, der sich um ge­schick­tes Ver­hal­ten au­ßer­halb der Schu­le dreht. Dort lernt man zum Bei­spiel wie man sich selbst or­ga­ni­siert, mit Nie­der­la­gen um­geht oder war­um Haus­auf­ga­ben Ge­schen­ke sind. Ich weiß: das Letz­te klingt aus Schü­ler­sicht ab­surd. Als Ge­schenk kann man sich von Scho­ko­la­de bis zum neus­ten iPho­ne al­les vor­stel­len, aber Haus­auf­ga­ben fal­len si­cher nicht dar­un­ter. Nach dem Le­sen des Bu­ches wer­det ihr sa­gen "oh doch!". Tat­säch­lich ist dies eine der Er­kennt­nis­se, die mir sehr ge­hol­fen hat. Der letz­te Teil des Bu­ches ist der aus­führ­lichs­te. Hier geht es um die schrift­li­chen No­ten, wie Klau­su­ren auf­ge­baut sind und wie man sich best­mög­lich vor­be­rei­tet.
Was mir hier be­son­ders ge­fal­len hat, ist, dass Da­vid die häu­figs­ten Feh­ler the­ma­ti­siert, denn je­der kennt das Ge­fühl, wenn man in na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Fä­chern plan­los vor der Auf­ga­be sitzt und nicht ein­mal weiß, wo man an­fan­gen soll oder das Ge­fühl, wenn man in der Text­ana­ly­se ein­fach zu we­nig rhe­to­ri­sche Mit­tel fin­det. Tat­säch­lich hat das meist we­nig mit dem Leh­rer zu tun, son­dern viel mehr mit ei­nem selbst. Glück­li­cher­wei­se wird man nicht mit er­ho­be­nem Zei­ge­fin­ger dar­auf hin­ge­wie­sen was man al­les falsch macht, son­dern durch die au­then­ti­schen Wor­te, die Da­vid Wein­stock fin­det. Es ist eben ein Buch von ei­nem Schü­ler, der alle Tak­ti­ken selbst pro­biert hat, für Schü­ler, die nur die er­folg­reichs­ten Tak­ti­ken um­set­zen müs­sen. Wer also ein Buch le­sen möch­te, das nah an der Rea­li­tät und sehr auf den Punkt ge­bracht ist, soll­te sich un­be­dingt „Schluss mit Un­ge­nü­gend“ zu­le­gen. All den­je­ni­gen wün­sche ich viel Spaß beim Le­sen und viel Er­folg bei der nächs­ten Klau­sur :)...

Buch Schluss mit Ungenügend! Wie ich vom schlechten Schüler zum 1.0 Abiturienten wurde - und wie du das auch schaffst

Erst er­le­ben, dann ent­schei­den - 
Aus­pro­bie­ren als Pa­ra­de­weg auf der Ex­pe­di­ti­on Be­rufs­ori­en­tie­rung

Muss es im­mer ein Prak­ti­kum sein, wenn man et­was er­le­ben will, et­was aus­pro­bie­ren möch­te? Nein. Am Wo­chen­en­de habe ich es ein­drucks­voll er­lebt: ich hat­te die Chan­ce, ein Co­ding Boot­camp als Coach zu be­glei­ten. 100 Teil­neh­mer, die den Fe­ri­en­be­ginn in ei­nem vir­tu­el­len co­ding boot­camp ver­bracht ha­ben. An­fän­ger! Und am Ende hat­ten alle 12 Teams Pro­jek­te auf die Bei­ne ge­stellt, nicht nur kon­zep­tio­nell oder gra­phisch, son­dern mit rich­ti­ger pro­gram­mier­ter Sub­stanz. Das Bild zeigt den Weg von der Idee zum Ma­schi­nen­raum ei­nen neu­en App. An­de­re hat­ten Web­sites ge­stal­tet oder Spie­le ent­wor­fen. Und manch ei­ner ist neu­gie­rig auf mehr ge­wor­den. Viel­leicht ha­ben wir den ei­nen oder an­de­ren da­mit auf die Idee ge­bracht, zum di­gi­ta­len Pio­nier zu wer­den. Das wäre pri­ma, für je­den ein­zel­nen Teil­neh­mer (oder Teil­neh­me­rin: 40 Pro­zent Frau­en­quo­te!) und für un­se­re Ge­sell­schaft, die zu­neh­mend in fast al­len be­ruf­li­chen Fel­dern di­gi­ta­le Ta­len­te be­nö­tigt. 

Der Weg von der Idee hin zum Programmieren einer App während des Camp der Code+Design Initiative.

WA­REN DAS IRR­WE­GE ODER NICHT? WENN DER NC DEN WEG VER­STELLT
IN­TER­VIEW MIT KLA­RA, ZAHN­ME­DI­ZIN, WIT­TEN-HER­DE­CKE

Klara, Dein Weg hat ja schon ein paar Abzweigungen genommen: erzähl mal von der Zeit nach dem Abi bis jetzt zum Zahnmedizin Studium.
Eigentlich stand für mich schon lange fest, dass ich mal Zahnärztin werden möchte. Aber je näher ich dem Abitur kam, umso unwahrscheinlicher wurde die Möglichkeit auf ein Zahnmedizinstudium. Mit einem NC von 2,2 ist es einfach eher unrealistisch. Daher wollte ich ein paar Wartesemester sammeln und mir schon Vorkenntnisse mit einer zahntechnischen Ausbildung aneignen. In 2017 fing dann also meine Ausbildung an – immer mit dem Ziel, später einmal Zahnmedizin studieren zu können. Die Enttäuschung war leider sehr groß. Auch wenn mich die Thematik sehr interessiert hat, war das nicht die Arbeit, die ich mir erhofft hatte. Kein Patientenkontakt, das war nichts für mich. Nach langem Überlegen, ob man seine Ausbildung abbrechen „darf“, habe ich nach 8 Monaten im Zahntechnik Labor gekündigt. Also brauchte ich eine Alternative. Handwerk hat mich immer interessiert, für eine Bewerbung zur Ausbildung als Tischlerin allerdings zu spät. Also versuchte ich mich am Holztechnik Studium an der TH OWL. Praxisorientierter, kleiner Studiengang - und die Thematik reizte mich sehr. Nach zwei Semestern kam ich auf die Idee mich doch nochmal für ein Zahnmedizin Studium zu bewerben. Dass eine Absage kommen wird, war mir durchaus bewusst aber als diese dann tatsächlich kam, war ich dennoch sehr enttäuscht – sollte Zahnmedizin also doch nur ein Traum bleiben? Ich versuchte es weiter, suchte nach Alternativen und stieß auf die Uni Witten-Herdecke. Auch hier: praxisorientierter, kleiner Studiengang mit vielen anderen zusätzlichen Angeboten und das auch noch NC frei – das war den Versuch wert. Nach der Bewerbung und dem Auswahlverfahren kam glücklicherweise die Zusage. Also exmatrikulierte ich mich an der TH OWL und studiere jetzt endlich Zahnmedizin an der Uni Witten-Herdecke.

Warum bist Du nun an der Uni Witten-Herdecke? Privat-Uni schreckt sicher manche erst einmal ab ….?
Ehrlich gesagt hat es mich am Anfang auch abgeschreckt, mich an einer Privat-Uni zu bewerben - aber die in Witten Herdecken bietet so viele Vorteile, dass es sich auf alle Fälle lohnt. Dabei denke ich sowohl an das Lehr- und Lernkonzept, das sehr praxisorientiert ausfällt und als auch die Chance auf Einsichten in unterschiedliche Themenbereiche (Stichwort Studium fundamentale. Und dann gibt es den umgekehrten Generationenvertrag: der ermöglicht jedem das Studium in Witten!

Du hast in der Corona-Zeit angefangen zu studieren. Was funktioniert aus Deiner Sicht ganz gut, was nicht und inwieweit habt ihr doch noch Module, die Euch persönliche Lehre oder Übungen ermöglichen?
Die Vorlesungen laufen alle online über zoom. Das klappt erstaunlicherweise ganz gut. Der Kontakt zu Kommilitonen ist nur leider sehr eingeschränkt. Durch ein paar praktische Übungen konnte man sich ein wenig kennenlernen aber ansonsten sitzt man viel in seinem Zimmer. Corona hat hier für mich persönlich aber auch den Vorteil gebracht, dass ich zwischendurch arbeiten gehen kann und viel flexibel aufgestellt bin.

Dann gibt es ja noch aus Witten solche „Stufu-Veranstaltungen“ – was ist das?
Ja, das Studium fundamentale: Witten bietet diese Stufu-Veranstaltungen an, damit man sich kulturell und sozial weiterentwickeln kann. Teilnahme an den Veranstaltungen ist Pflicht. Man kann zwischen vielen Angeboten wählen und in neue Themengebiete schnuppern. Manche Veranstaltungen sind interaktiv und manche werden als Vorlesung gehalten. Ganz beliebt hier in Witten ist das „Gärtnern“. Da kümmert man sich ein Semester lang um den Uni-Garten und lernt viel in dem Bereich dazu. Praktisch hierbei, dass man auch Kommilitonen aus anderen Semestern und Studiengängen kennenlernen kann. Weitere Beispiele sind Vorlesung über die Digitale Medizin, Landwirtschaft oder Seminare zur Meditation, Singen, Tanzen etc. Jedes Semester kommen neue Veranstaltungen dazu.

Und wie ist das Studentenleben in Witten? Ob Großstadt oder nicht, das ist gegenwärtig ja beinahe egal, aber hast Du das Gefühl, menschlich gut angekommen zu sein?
Durch Corona konnte ich leider noch nicht soviel von dem Studentenleben in Witten mitbekommen. Aber dennoch fühle ich mich menschlich gut angekommen. Jeder steckt momentan in der gleichen Situation und weiß wie schwer es ist jetzt neue Kontakte zu knüpfen und sind daher alle sehr geduldig. Meine WG hat mir geholfen mich schon gut zu integrieren.

Was kannst Du denjenigen raten, die ihre Studienziele mit Blick auf den NC für nicht erreichbar halten?
Macht euch erst einmal klar, ob das Studienziel wirklich euer Traumberuf ist. Praktika oder Schnuppertage helfen da enorm. Falls dies der Fall ist, lohnt es sich Zeit und Aufwand zu betreiben. Gebt der ganzen Sache Zeit und versucht es immer wieder. Sei es eine Ausbildung, um Wartesemester und Erfahrung zu sammeln oder eine Privat Uni oder eine Uni im Ausland. Der Weg ist das Ziel und Zwischenetappen sind keine verlorene Zeit!

Und Deine Zwischenetappen? Ist das für Dich verlorene Zeit?
Aus heutiger Perspektive kann ich sagen: definitiv nein. Ich habe durch die Zwischenetappen so viel gelernt und mitbekommen dürfen, dass ich da keine Nachteile sehe. Während der Zeit, als ich noch in den „Seilen hing“ und nicht wusste, was als nächstes kam, fühlten sich die Zwischenetappen wie verlorene Zeit an - aber das sind sie nicht.

Vielen Dank für diesen Schulterblick auf all die Abzweigungen, die Du bereits genommen hast!


Sinnvolles tun und Interessen verfolgen durch ehrenamtliche Tätigkeit mit Kindern in Afrika

From the field: Kara berichtet vom Einsatz in und für Afrika und aus ihrem Psychologie Studium in Enschede.

Ein­blick in den Stu­di­en­gang: Psy­cho­lo­gie -
In­ter­view mit Kara, Uni­ver­si­ty of Twen­te, NL

Kara, Dein Weg hat ja gar nicht di­rekt ins Stu­di­um ge­führt – du warst zu­nächst in Afri­ka. Wo und mit wel­cher Mis­si­on?
Nach mei­nem Ab­itur im Jahr 2017 habe ich mich ent­schie­den für 3 Mo­na­te nach Tan­sa­nia zu rei­sen, um mich dort eh­ren­amt­lich zu en­ga­gie­ren. Vor Ort habe ich in der Mwan­ga Child­ren’s Foun­da­ti­on ge­ar­bei­tet. Dies ist ein Art Vor­schu­le in ei­nem der ärms­ten Stadt­tei­le der Stadt Aru­sha, die Kin­der kom­men aus so­zi­al schwa­chen Fa­mi­li­en, die sich we­der eine Schul­aus­bil­dung noch eine war­me Mahl­zeit leis­ten kön­nen. Vie­le von ih­nen sind Wai­sen. Mein Ziel war es, vor al­lem das Pro­jekt nach­hal­tig zu un­ter­stüt­zen und et­was Sinn­vol­les zu tun. Den Kin­dern soll es er­mög­licht wer­den, sich zu un­ab­hän­gi­gen und selbst­wuss­ten Per­sön­lich­kei­ten zu ent­wi­ckeln. Vor Ort habe ich dann un­ter an­de­rem die Leh­rer im Un­ter­richt un­ter­stützt, ein Haus mit Schlaf­mög­lich­kei­ten ge­baut, ein Spon­so­ren­pro­gramm für die Kin­der or­ga­ni­siert, Arzt- und Kran­ken­haus­be­su­che mit den Kin­dern er­le­digt und mich auch um ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben ge­küm­mert. 

War­um bist Du da­nach für Dein Psy­cho­lo­gie Stu­di­um an die Uni­ver­si­ty of Twen­te in En­sche­de, so­mit in die Nie­der­lan­de ge­gan­gen?
Hier spiel­ten die Zu­gangs­vor­aus­set­zun­gen eine gro­ße Rol­le. In Deutsch­land ist ein Nu­me­rus clau­sus von 1,2 oder so­gar bes­ser eine nicht sel­te­ne Vor­aus­set­zung, wel­che ich schlicht­weg nicht er­fül­len konn­te. Aus die­sem Grund habe ich mich nach Al­ter­na­ti­ven um­ge­schaut und bin auf die Nie­der­lan­de ge­sto­ßen, denn dort gel­ten an­de­re Zu­gangs­vor­aus­set­zun­gen. Für die Uni­ver­si­ty of Twen­te habe ich mich dann auf Emp­feh­lung ei­ner Be­kann­ten ent­schie­den.

Was wür­dest Du sa­gen: was war schwe­rer als ge­dacht und was war viel­leicht auch leich­ter als ge­dacht?
Ich muss zu­ge­ben, die ers­te Zeit war sehr schwie­rig. Zum ei­nen ist na­tür­lich das „Sys­tem“ Uni neu und zum an­de­ren war ich von dem Ar­beits­pen­sum über­wäl­tigt. Auf Grund der nicht so stren­gen Zu­gangs­vor­aus­set­zun­gen wer­den dann im Lau­fe des ers­ten Jah­res vie­le Stu­den­ten “aus­sor­tiert”. Auch das Klau­su­ren-Sys­tem ist deut­lich an­ders als bei­spiels­wei­se an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten. Wir ha­ben kei­ne Klau­su­ren­pha­sen am Ende ei­nes Se­mes­ters, son­dern schrei­ben kon­ti­nu­ier­lich Klau­su­ren. Das nagt be­son­ders an­fangs an den Ner­ven. Nach ei­ni­ger Zeit ge­wöhnt man sich aber auch dar­an und der Druck lässt lang­sam et­was nach. Leich­ter als ge­dacht wa­ren für mich de­fi­ni­tiv zwei Din­ge. Zum ei­nen hat­te ich vor Be­ginn des Stu­di­ums gro­ße Angst vor Sta­tis­tik. Letzt­end­lich habe ich per­sön­lich ent­ge­gen mei­ner Er­war­tun­gen kei­ne Pro­ble­me mit Sta­tis­tik ge­habt und es mach­te mir so­gar ein biss­chen Spaß. Zum an­de­ren wird der Stu­di­en­gang auf Eng­lisch un­ter­rich­tet und auch da hat­te ich an­fangs mei­ne Zwei­fel, ob ich das schaf­fen kann. Aber auch dar­an ge­wöhnt man sich schnel­ler als ge­dacht und jetzt bin ich ziem­lich froh auf Eng­lisch zu stu­die­ren. Als po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt ver­bes­sern sich die Eng­lisch­kennt­nis­se na­tür­lich auch.

Du stehst kurz vor Dei­nem Ba­che­lor Ab­schluss und hast auch in­zwi­schen eine Teaching As­sis­tant Rol­le. Wie fühlt es sich an, den ei­ge­nen Stu­di­en­gang be­reits von „der an­de­ren Sei­te her“ zu ver­tre­ten?
Auf der ei­nen Sei­te su­per merk­wür­dig, aber auf der an­de­ren Sei­te auch to­tal span­nend. Es ist in­ter­es­sant mal “hin­ter die Ku­lis­sen” bli­cken zu kön­nen und eine an­de­re Per­spek­ti­ve ein­zu­neh­men. Na­tür­lich bringt es auch mich per­sön­lich in mei­ner Ent­wick­lung wei­ter, da hier be­son­ders Kom­pe­ten­zen im Be­reich Team­ar­beit, Ver­ant­wor­tung und Prä­sen­ta­ti­on ge­stärkt wer­den. Den­noch ist es im­mer wie­der ko­misch, dass ich jetzt als „Leh­re­rin“ für eine Grup­pe von Stu­den­ten ver­ant­wort­lich bin.

Wie bist du an die Ent­schei­dung her­an­ge­gan­gen, wo und wel­chen Mas­ter­stu­di­en­gang Du an­strebst?
Von An­fang an war für mich klar, dass ich mei­nen Mas­ter in kli­ni­scher Psy­cho­lo­gie ma­chen möch­te. Ich in­ter­es­sie­re mich sehr für psy­chi­sche Er­kran­kun­gen, de­ren zu­grun­de­lie­gen­den Ur­sa­chen und The­ra­pie­mög­lich­kei­ten. Au­ßer­dem möch­te ich nach Ab­schluss mei­nes Stu­di­ums ger­ne die Aus­bil­dung zur psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­tin ma­chen und da­für ist ein Mas­ter in kli­ni­scher Psy­cho­lo­gie oft­mals Vor­aus­set­zung. Die Ent­schei­dung, wo ich mei­nen Mas­ter ma­chen möch­te, war da schon et­was schwie­ri­ger. Ich habe im­mer wie­der in Be­tracht ge­zo­gen mich in Deutsch­land zu be­wer­ben, den­noch bin ich aber jetzt zu der Ent­schei­dung ge­kom­men, in En­sche­de zu blei­ben und dann für die Aus­bil­dung zur Psy­cho­the­ra­peu­tin nach Deutsch­land zu wech­seln. Dies liegt vor al­lem dar­an, dass mir prin­zi­pi­ell das nie­der­län­di­sche Sys­tem ge­fällt und die Uni­ver­si­tät Twen­te die Ver­tie­fung „Po­si­ti­ve Kli­ni­sche Psy­cho­lo­gie“ an­bie­tet, wel­che ich ei­nen be­son­ders in­ter­es­san­ten An­satz fin­de.

Be­vor Du aber in den Mas­ter star­test, brichst Du noch­mals nach Afri­ka auf – wor­in liegt der Reiz die­ses Kon­ti­nen­tes für Dich?
Afri­ka hat mich da­mals in sei­nen Bann ge­zo­gen und das hat mich bis heu­te nicht los­ge­las­sen. Seit mei­nem ers­ten Auf­ent­halt bin ich stark mit dem Pro­jekt aber auch ge­ne­rell mit Land und Leu­ten ver­bun­den und pfle­ge ei­nen meist wö­chent­li­chen Kon­takt. Be­son­ders ge­fällt mir das Ge­fühl et­was Sinn­vol­les zu tun und zu­sam­men mit den Ein­hei­mi­schen et­was be­wir­ken zu kön­nen. Ge­ne­rell reizt mich an Afri­ka na­tür­lich die Na­tur, und be­son­ders Tan­sa­nia hat viel zu bie­ten, wie zum Bei­spiel den Ki­li­man­dscha­ro, die Se­ren­ge­ti oder der Ngo­ron­go­ro Kra­ter. Aber auch die Men­schen fas­zi­nie­ren mich. So eine Of­fen­heit und Gast­freund­schaft habe ich zu­vor nie in die­sem Maße er­lebt.

Danke für diesen spannenden Bericht!

Ein­blick in den Stu­di­en­gang: Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment -
In­ter­view mit Luca, Lee­uwar­den, NL

Luca, du bist vor ei­ner gan­zen Wei­le bei mir ge­we­sen – was machst Du heu­te?

Ich bin jetzt Stu­dent an der NHL Sten­den Uni­ver­si­ty for Ap­p­lied Sci­ence und stu­die­re dort In­ter­na­tio­nal Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment. Des Wei­te­ren bin ich ei­ner der Sta­ke­hol­der und Lei­ter des Be­rei­ches "Uni­ver­si­ty Re­pre­sen­ta­ti­ves" der In­ter­na­tio­nal Stu­dent As­so­cia­ti­on.

Was um Got­tes wil­len ist Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment? Hört sich nach „Hos­pi­tal“ an…

Ja, das stimmt. Im Grun­de be­deu­tet "hos­pi­ta­li­ty" so viel wie Gast­freund­schaft. Dem­nach geht es in dem Stu­di­en­gang dar­um wie man ein gu­ter Ma­na­ger wird und die Kun­den rich­tig be­han­delt. Des­halb gibt es auch in je­dem Jahr ein Mo­dul von 10 Wo­chen in de­nen man im schul­ei­ge­nen Ho­tel ar­bei­tet und die Pra­xis zur Theo­rie lernt. Da­bei ist man im ers­ten Jahr ein "First-Ye­ar", im zwei­ten Jahr de­ren Su­per­vi­sor und im drit­ten Jahr der Ma­na­ger der Su­per­vi­sor.

Hast du schon frü­her den Ge­dan­ken an Ho­tel­le­rie, In­ter­na­tio­nal Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment oder ei­nen Be­ruf im Gast­ge­wer­be in Be­tracht ge­zo­gen?

Ja, da ich eine Zeit lang in der Gas­tro­no­mie "Mei­er­hof Rass­feld" ge­ar­bei­tet habe und mit de­ren In­put eine Bran­che ge­fun­den habe in de­nen mei­ne Stär­ken am bes­ten auf­ge­ho­ben sind.

Ho­tel­fach­schu­len, dua­le Stu­di­en­gän­ge in Ho­tels und Aus­bil­dun­gen in dem Be­reich gibt es ja vie­le. War­um die­ser Stu­di­en­gang und war­um die Nie­der­lan­de?

Die Nie­der­lan­de, weil die Men­schen hier ein­fach su­per gast­freund­schaft­lich sind und das so­mit zu mei­nem Stu­di­en­gang passt. Au­ßer­dem fand ich es per­sön­lich bes­ser, ei­nen eng­lisch­spra­chi­gen Stu­di­en­gang nicht in Deutsch­land zu stu­die­ren son­dern an ei­nem Ort wo ich auch au­ßer­halb des Stu­di­ums eng­lisch spre­che.

Wie stehst du heu­te zu dei­ner Ent­schei­dung In­ter­na­tio­nal Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment zu stu­die­ren? Gibt es et­was was du ger­ne vor­her ge­wusst hät­test?

Ich bin voll und ganz zu­frie­den da­mit, mich für den Stu­di­en­gang In­ter­na­tio­nal Hos­pi­ta­li­ty Ma­nage­ment ent­schie­den zu ha­ben. Und ja, ich hät­te ger­ne vor­her ge­wusst wie schwie­rig es sein kann in ei­ner Stu­den­ten­stadt eine Woh­nung zu fin­den.

Wo kannst du dei­ne Stär­ken am bes­ten ein­set­zen?

Ich sehe mei­ne Stär­ken im Kom­mu­ni­ka­ti­ven. So­wohl mit Kun­den als auch mit den Per­so­nen mit de­nen ich zu­sam­men­ar­bei­te. Des­halb ist die­ser Stu­di­en­gang mit ei­nem kom­mu­ni­ka­ti­ven Schwer­punkt sehr pas­send für mich.

Gibt es ir­gend­wel­che ku­rio­sen Er­leb­nis­se oder Er­kennt­nis­se aus Stu­di­en­zeit von de­nen Du uns be­rich­ten kannst?

Ku­ri­os war für mich erst­mal auf was für ei­ner Wel­len­län­ge man sich mit den Pro­fes­so­ren auf ein­mal be­fin­det. Das nicht ver­gleich­bar mit der Zeit auf dem Gym­na­si­um, da dort die Leh­rer nor­ma­ler­wei­se nicht so froh über di­rek­te Kri­tik und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge wa­ren.

Wie sieht dein Stu­di­en­all­tag in Zei­ten der Pan­de­mie aus? Wie wür­dest Du Dei­ne Stu­di­en­si­tua­ti­on be­ur­tei­len?

Wie man sich den­ken kann ist al­les on­line so wie fast über­all. Des­halb bin ich zwi­schen­durch am Pen­deln zwi­schen Lee­uwar­den und Gü­ters­loh. Hier in Lee­uwar­den fällt es mit de­fi­ni­tiv leich­ter die rich­ti­ge Mo­ti­va­ti­on zum Ler­nen zu fin­den als in Gü­ters­loh, wo mich nur mein Lap­top ans Stu­di­um bin­det. Doch zu mei­nem Vor­teil habe ich noch viel Kon­takt zu mei­nen Mit­stu­den­ten.

Hast Du be­reits An­schluss­plä­ne? Wo soll die Rei­se hin­füh­ren?

Auf je­den Fall ins Aus­land. Des­halb habe ich im kom­men­den Jahr auch ei­nen Mi­nor für 3 Mo­na­te – der dann hof­fent­lich in Süd­afri­ka statt­fin­den kann und nicht, auf­grund von Co­ro­na, on­line.

Vie­len Dank für die­sen Ein­blick und Aus­blick!

Interviewpartner Luca berichtet über seinen Studiengang Hospitality Management

From the Field: Interview mit Luca, Hospitality Management, Leeuwarden

Zu­kunfts­be­ru­fe: Wie kann ich heu­te
den rich­ti­gen Be­ruf für mor­gen wäh­len?

Als ich in der Le­bens­pha­se war, mir über mei­nen Be­ruf Ge­dan­ken zu ma­chen, war die land­läu­fi­ge Mei­nung: "Eine Aus­bil­dung bei der Bank ist eine si­che­re Bank!". Wer heu­te in die Ban­ken­welt schaut, er­kennt: das ist kei­nes­wegs mehr si­cher, dort sei­nen Ar­beits­platz ga­ran­tiert zu be­hal­ten. Stel­len­ab­bau, Fu­sio­nen, Au­to­ma­ti­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung ha­ben für eine enor­me Ver­än­de­rung ge­sorgt. Man­che Mit­ar­bei­ter ge­hen durch wie­der­hol­te Re­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ef­fi­zi­enz­pro­gram­me ih­rer Kre­dit­in­sti­tu­te und so manch ei­ner denkt "all das für ei­nen bes­ten­falls mit­tel­mä­ßig ge­lieb­ten Job....".
Wer heu­te DEN zu­kunfts­si­che­ren Job sucht, wür­de ver­mut­lich hö­ren: "Mach was mit IT, die wer­den im­mer ge­braucht!". Ir­gend­wie stimmt das - die As­pek­te, in de­nen Soft­ware, Al­go­rith­men und in­tel­li­gen­te Steue­rungs­ele­men­te in un­se­rem All­tag eine Rol­le spie­len, wer­den im­mer viel­fäl­ti­ger. Ir­gend­wie stimmt es aber auch nicht: je­mand, der so gar kei­nen Draht zu Ma­te­rie hat, oder es schlicht über­haupt nicht mag, im IT-Um­feld zu ar­bei­ten, ist da nicht gut auf­ge­ho­ben. Lei­der kön­nen das aber vie­le gar nicht so ge­nau sa­gen: sie hat­ten schlicht nicht ge­nü­gend Be­rüh­rungs­punk­te. Es wäre wirk­lich wich­tig, jun­gen Leu­ten das Pro­gram­mie­ren ("coden") stan­dard­mä­ßig in der Schu­le nahe zu brin­gen. Wie eine Pflicht-Fremd­spra­che. Vie­le wer­den dann erst er­ken­nen, ob hier nicht Ta­len­te schlum­mern. Der ge­gen­wär­ti­ge In­for­ma­tik-Un­ter­richt ist häu­fig ent­we­der lang­wei­lig oder ver­al­tet oder bei­des. Aus­nah­men be­stä­ti­gen die Re­gel.

Umso mehr freut es mich, In­itia­ti­ven zu se­hen und mit­un­ter zu un­ter­stüt­zen, die sich ge­nau die­se Lü­cke vor­neh­men, etwa die code+de­sign uni­ver­si­ty, die ab Früh­jahr 2021 im Ruhr­ge­biet boot­camps an­bie­tet, spe­zi­ell an Schü­ler:in­nen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ge­rich­tet. Wer dar­an teil­ge­nom­men hat, be­kommt eine ganz neue Ein­schät­zung, ob hier nicht be­ruf­li­che Chan­cen lie­gen - aber mit dem Un­ter­schied, dass es um das per­sön­li­che Er­le­ben und die ei­ge­ne Be­geis­te­rung geht und nicht nur um eine tak­ti­sche Wahl. 

Der Pro­phet und der Berg: wer kommt zu wem?
Vom Su­chen und Fin­den sel­te­ner Be­ru­fe

Kürz­lich stol­per­te ich im Fern­seh­pro­gramm über eine Doku: Men­schen mit sel­te­nen Be­ru­fen. Da war ei­ni­ges span­nen­des da­bei: Stunt­frau, eine Bon­bon­ma­nu­fak­tur in der mit Feu­er­zan­gen­bow­len-ähn­li­chen Me­tho­den Bon­bons her­ge­stellt wur­den, Kal­li­gra­phie kam vor und noch ei­ni­ges mehr. Sehr in­di­vi­du­el­le Ge­schich­ten. Die­se Be­ru­fe üben häu­fig eine Fas­zi­na­ti­on aus: eine ganz ei­ge­ne Wahl und eine ganz ei­ge­ne Welt und ir­gend­wie scheint al­les per­fekt zu­ein­an­der zu pas­sen. 

Das ist aber auch sel­ten das Er­geb­nis ei­nes "me­cha­ni­schen" Be­rufs­wahl-Pro­zes­ses son­dern eher das Hin­fin­den durch die ge­sam­mel­te in­di­vi­du­el­le Er­fah­rung. Was mag, was mag ich nicht? Was, habe ich fest­ge­stellt, kann ich to­tal gut und was las­se ich bes­ser weg. Brau­che ich für das was, was ich ma­che, Pu­bli­kum, Geld, Plan­bar­keit, Ver­ant­wor­tung oder je­weils ge­ra­de nicht? Ganz in­di­vi­du­el­le Wege ent­ste­hen beim Ge­hen und ha­ben manch­mal auch Ab­ste­cher da­bei, die Drit­te viel­leicht als Irr­we­ge be­zeich­nen wür­den. 

Wenn es nach dem Ab­itur um die Be­rufs­wahl geht oder um die Ent­schei­dung für ein Stu­di­en­fach: dann ist die Kunst häu­fig eher, sich noch meh­re­re Tü­ren of­fen zu las­sen, eher eine brei­te Be­weg­lich­keit zu er­hal­ten. Die be­son­de­ren As­pek­te im Le­bens­lauf, die ein Pro­fil schon zu dem Zeit­punkt viel­leicht auch von an­de­ren ab­gren­zen, las­sen sich häu­fig auch durch Prak­ti­ka und an­de­re Ar­beits­ein­sät­ze ein­bau­en. So kann z.B. die Bio­lo­gie­stu­den­tin plötz­lich zur Falk­ne­rin wer­den, der BWL Stu­dent zum Sport­ma­na­ger oder eine me­di­zi­ni­sche Fach­kraft zur Grün­dung ei­nes Start-ups kom­men. 

Wer kommt also zu wem, der Berg zum Pro­phe­ten oder um­ge­kehrt? Der sel­te­ne Be­ruf zu Dir oder machst Du Dich eher auf den Weg und wirst dei­nen ei­ge­nen Berg fin­den? Ex­pe­di­tio­nen ha­ben mit Auf­bruch ins Un­ge­wis­se zu tun, so ist es auch mit der Be­rufs­wah. Zu­mal sich die Land­kar­te un­ter­wegs än­dert, Be­rufs­bil­der ver­än­dern sich. Dazu schrei­be ich bald ge­son­dert et­was an die­ser Stel­le. Wich­tig ist, dass Du Dir die Rich­tung klar ge­macht hast, also Klar­heit hast, was Dir wich­tig ist und was Du un­be­dingt ver­mei­den willst. Der Kom­pass ist Dei­ne Per­sön­lich­keit. 

Selbstkenntnis als Kompass in einer Welt in der sich Berufsbilder ständig ändern

Wer kommt zum wem: der Berg zum Propheten? Oder Dein Beruf zu Dir?

Guter Rat bei der Studien-  oder Berufswahl durch Menschen, die dich gut kennen

Schwar­min­tel­li­genz nut­zen: die meis­ten Men­schen sind gen bereit, Dich zu unterstützen.

Weg­be­glei­ter: gu­ter Rat bei der Stu­di­en- und Berufs­wahl

Ihr habt ver­mut­lich ge­se­hen, dass ich ein Buch ver­öf­fent­lich habe. Hier fas­se ich kurz zu­sam­men, war­um ich es so wich­tig fin­de, sich gu­ten Rat auf dem Weg der Be­rufs­wahl oder Stu­di­en­wahl ein­zu­ho­len. 

Vie­le Fehl­ent­schei­dun­gen in der Be­rufs­wahl ha­ben da­mit zu tun, dass sich jun­ge Leu­te - und manch­mal auch schon viel er­fah­re­ne­re Men­schen - zu stark mit dem be­fas­sen, was ent­we­der an­de­re toll fin­den oder aber was sach­lich-fach­lich vor­der­grün­dig gut zum ei­ge­nen Pro­fil passt. Eine Ent­schei­dung aus so­zia­ler Er­wünscht­heit ("dazu sa­gen be­stimmt alle WOW") trägt sel­ten lang, wenn nicht der ei­ge­ne Drang in die glei­che Rich­tung geht. Lest euch dazu gern das Bei­spiel von Phil­ipp durch. Er wird auch auf Béa Bes­tes Blog New Link er­wähnt. Die Er­fah­rung wie es ist, in fal­schen Bio­top zu lan­den, ob­wohl es doch of­fen­kun­dig EI­GENT­LICH gut pas­sen soll­te, habe ich selbst ge­macht. In mei­ner Kurz­bio könnt ihr nach­le­sen, wie ich ei­nen kur­zen Schwung über die Hoch­schul­lei­tung der Uni Bie­le­feld ge­macht habe. Ich kann­te den Hoch­schul­sek­tor, ich war mit Fra­gen von stra­te­gi­schen Po­si­tio­nie­run­gen von Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­traut - ein­mal aus der Zeit in der Ber­tels­mann Stif­tung, ein­mal aus der Zeit der Stra­te­gie­be­ra­tung BCG. Und: Jack­pot: Ein Job­sha­ring Mo­dell mit ei­ner be­ruf­li­chen Weg­ge­fähr­tin und für uns bei­de ein coo­les Mo­dell, um nach der Fa­mi­li­en­grün­dung ei­nen tol­len Job und das Fa­mi­li­en­le­ben in Ein­klang zu brin­gen. Aber hät­te mir je­mand die Au­gen da­für ge­öff­net, dass ich gern mit kla­ren Ent­schei­dun­gen ar­bei­te und sie am liebs­ten so­gar sel­ber tref­fe - hier aber auf ein Um­feld traf, im eine ganz an­de­re Ent­schei­dungs­kul­tur leb­te... dann hät­te ich viel­leicht gründ­li­cher nach­ge­dacht. Die Feh­ler bei be­ruf­li­chen Ent­schei­dun­gen lie­gen häu­fig ge­nau hier: wo pas­se ich als PER­SON hin?

Um dazu ein ge­naue­res Ge­spür zu be­kom­men, emp­feh­le ich vie­le Ge­sprä­che mit Per­so­nen, die euch gut ken­nen, aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln. Geht los und fragt: Pa­ten, Ge­schwis­ter, Trai­ner, Freun­de....: wel­ches Bild hast du von mir? Kann ich gut mit Zeit­druck um­ge­hen? Mit Kon­flik­ten? Mit an­de­ren Leu­ten? Mit Rück­schlä­gen....? und so fort. Das ge­schärf­te Selbst­bild ist eine im­mens wich­ti­ge Grund­la­ge für eine gute Be­rufs­wahl. Sie gibt den Fil­ter, mit dem ihr zu­min­dest kla­rer be­stim­men könnt, was NICHT für euch in­fra­ge kommt. Und: alle Ge­sprä­che gern un­ter vier Au­gen, das er­laubt ein of­fe­ne­res Feed­back. Und ist so­gar in Co­ro­na Zei­ten gut mög­lich...

An­ker lich­ten – oder: war­um die­ses Log­buch?

Log­buch hört sich fast an wie Blog -nur riecht es mehr nach Aben­teu­er, Ex­pe­di­ti­on und Auf­bruch ins Un­be­kann­te. Das ist das, was auch Eure Be­rufs­wahl kenn­zeich­net. Ihr wisst nicht im­mer, wel­che Hür­den auf­tre­ten, wann ihr an­kommt oder wo­mög­lich ob ihr an­kommt – und wo!

Mein Ziel mit den Bei­trä­gen, die ich auf die­sem Blog ver­öf­fent­li­chen wer­de, ist, Euch In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, Euch an Er­fah­run­gen und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen teil­ha­ben zu las­sen. Also wird es um fol­gen­de The­men ge­hen:

- Wel­che Stu­di­en­gän­ge und Fä­cher gibt es, die nicht so ganz ge­wöhn­lich sind. Was macht z.B. ein Data Sci­en­tist? Man nennt sie ja auch die mo­der­nen Gold­grä­ber.

- Wel­che span­nen­den Bü­cher und Ar­ti­kel zum The­ma Be­rufs­wahl und Stu­di­en­wahl wür­de ich euch gern vor­stel­len oder zu­sam­men­fas­sen?

- Was kön­nen Alum­ni aus mei­ner Be­ra­tung aus ih­rem Wer­de­gang be­rich­ten und wel­che an­de­ren span­nen­den Le­bens­läu­fe wür­de ich Euch gern vor­stel­len?

- und wei­te­re The­men wer­den hin­zu­kom­men!

Auf geht´s – und lasst mich gern wis­sen wozu Ihr gern mehr fin­den möch­tet!

Tandem an Dünenweg.