Logbuch: Expedition Berufsorientierung

10 Jahre MY CAREERMAP - ein Panorama

Eigentlich blicke ich gern nach vorn - vor allem mit meinen Kandidat:innen in meiner Beratung MY CAREERMAP. Jetzt möchte ich aber einen Blick zurück werfen und ein ganz besonderes Panorama betrachten.

Vor 10 Jahren habe ich mich zur Selbständigkeit entschieden. Ich mag die individuelle und differenzierte Arbeit in Einzelberatungen. Und eine klare Position, in wessen Interesse ich arbeite. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Rolle ist seitdem, junge Leute zu unterstützen, wenn sie ihren Weg nach dem Abitur gestalten.

Für den Blick zurück habe ich aus jedem Jahr 1 oder 2 Personen gefragt, ob sie uns darlegen, wie ihr Weg verlaufen ist, seit wir miteinander gesprochen haben. Ich bin begeistert und dankbar für die vielen positiven Rückmeldungen, die ich bereits jetzt bekommen habe. Und vielleicht erinnert sich hier manch einer beim Lesen, wie spannend und prägend die eigene Studienzeit und die ersten Berufsjahre waren. Da sind nämlich die ersten längst angekommen.


IINTERVIEW MIT MAREIKE PESCHAU: VIELFALT DER ERFAHRUNGEN

MAREIKE, WAS MACHST DU HEUTE UND WAS MAGST DU DARAN?

Ich bin seit Anfang Juni persönliche Referentin für die Personalvorständin des deutschen Caritasverbands. Außerdem bin ich Geschäftsführerin von Deutschlands erstem Community Music Kollektiv, Paper Lantern Collective. Beide Tätigkeiten führen auf unterschiedliche Weise zu meinem Ziel hin, Räume für Dialog sowie gesellschaftlichen Wandel zu gestalten. Gleichzeitig decken sie meine unterschiedlichen Interessen ab, ermöglichen es mir, auf verschiedenen Ebenen einen Impact zu haben und mich ständig weiterzuentwickeln. 

WIE SIEHT DEIN WEG DORTHIN AUS – UND WELCHE HÜRDEN MUSSTEST DU DABEI ÜBERWINDEN?

Die größte Hürde für mich war vermutlich, dass keine der vorgezeichneten Wege für meine Interessen und Talente zu passen schienen. Dadurch musste ich mich erst selbst kennenlernen und meinen eigenen Kompass entwickeln. Durch viel Ausprobieren habe ich im Laufe meines Studiums gemerkt, wo meine Stärken liegen, wo ich mich wohlfühle und was mich antreibt. Zum Glück habe ich, z.B. während meines Bachelors am University College Maastricht, ein Umfeld gefunden, was mir dies ermöglicht hat. Meine größte Erkenntnis dabei war immer wieder: eine Option, die besonders prestigeträchtig wirkt oder nach der andere streben, ist nicht unbedingt die richtige für mich.

 WAS FANDEST DU BISLANG WICHTIGER: DIE PRAKTIKA ODER DAS STUDIUM? WELCHEN TEIL BESONDERS?

Für mich waren sowohl Praktika als auch das Studium wichtig, um verschiedene Menschen und Realitäten kennenzulernen. Insbesondere dadurch, dass ich beides mit Auslandsaufenthalten verbunden habe und mit immer wieder neuen Situationen konfrontiert wurde, konnte ich viel über mich und die Welt lernen und meinen eigenen Optionsraum öffnen. Genauso wichtig war für mich aber auch mein Engagement: Als Projektleiterin in einem Studierendenverein konnte ich Erfahrung im Projektmanagement und im Führen eines Teams lernen sowie wertvolle Erfahrung für spätere Jobs sammeln. Als Gründerin eines feministischen Vereins habe ich unternehmerisches Handeln gelernt und bin mit der Social Impact Welt vertraut geworden. Dies hat mich ermutigt, eigene Projekte zu starten. 

WELCHE ENTSCHEIDUNGEN WÜRDEST DU AUS HEUTIGER SICHT ANDERS TREFFEN?

In der Rückschau hätte ich mich gerne früher von Erwartungshaltungen - von außen, aber auch von mir selber - gelöst und wäre mutiger meinen Instinkten gefolgt. Dazu gehört z.B. ganz konkret, dass ich immer wieder „Vernunftentscheidungen“ getroffen habe. Dadurch habe ich mir die Möglichkeit genommen, mich direkt in meine Interessensfelder zu vertiefen und habe dadurch Umwege in Kauf genommen. Außerdem würde ich mir aus meiner heutigen Sicht raten, schon früher und mutiger eigene Mentor:innen zu suchen, um weitere Perspektiven aufgezeigt zu bekommen und Berater:innen außerhalb meines sozialen oder Uni-Umfelds zu haben.  

WELCHEN RAT WÜRDEST DU EINER PERSON GEBEN, DIE NACH DER SCHULE IHRE RICHTUNG SUCHT?

Nur die wenigsten Personen haben eine klare Antwort darauf, was sie im Leben machen möchten. Im besten Fall hat man einzelne Puzzlestücke mit denen man selbst, mit all den eigenen bestehenden Ressourcen, losziehen kann. Nur in dem man etwas anfängt, neue Themen und Aufgaben kennenlernt und anderen Menschen begegnet, schärft sich der eigene Kompass. Durch kontinuierliche Reflektion und Introvision lässt sich dann feststellen, ob man noch auf dem richtigen Kurs ist oder eventuell gegensteuern muss. Dabei ist es auch wirklich nie zu spät, noch einmal den Kurs komplett zu ändern.

INTERVIEW MIT SABRINA SCHINDZIELARZ:
DER WEG ENTSTEHT BEIM GEHEN

SABRINA, WAS MACHST DU HEUTE UND WAS MAGST DU DARAN?

Heute arbeite ich im Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) im Bereich der Psychokardiologie. Unser Team, bestehend aus Psychologen und Psychotherapeuten, arbeitet unter der Leitung einer Professorin für Kinderkardiologie. Unsere primäre Aufgabe ist die psychologische Evaluation von Patienten, die eine Herz- oder Lungentransplantation benötigen. Wir betreuen Transplantationspatienten sowohl vor als auch nach der Transplantation und begleiten zudem Patienten mit einem Kunstherz. Die Arbeit in einem interdisziplinären Team sowie die Nähe zur Forschung und Lehre bereichern meine Tätigkeit ungemein. Zudem fasziniert mich die Verknüpfung von Medizin und Psychologie, da sie genau an der Schnittstelle meiner Interessen liegt.

WIE SIEHT DEIN WEG DORTHIN AUS – UND WELCHE HÜRDEN MUSSTEST DU DABEI ÜBERWINDEN?

Zunächst absolvierte ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin an der Uniklinik Bonn. Während dieser Zeit stellte sich mir immer wieder die Frage, ob ein  anschließendes Medizinstudium wirklich das Richtige für mich wäre. Die dreijährige Berufsausbildung war intensiv und fordernd, geprägt von Schicht- und Wochenenddiensten, während meine Freunde auf Studentenpartys gingen. Themen wie Krankheiten und Tod waren alltäglich und verlangten eine hohe emotionale Belastbarkeit. Gegen Ende meiner Ausbildung hatte ich erstmals Kontakt zu Psychologen im Rahmen der psychoonkologischen Tätigkeit sowie im Perinatalzentrum zur supportiven Arbeit mit Eltern von kranken Früh- und Neugeborenen. Diese Erfahrungen in der Psychosomatik weckten mein Interesse an der Verbindung von Medizin und Psychologie.

WAS FANDEST DU BISLANG WICHTIGER: DIE PRAKTIKA ODER DAS STUDIUM? WELCHEN TEIL BESONDERS?

Wenn ich ganz ehrlich bin, hat mich die Ausbildung in einer ganz besonderen Weise gefordert, herausgefordert und an meine eigenen Grenzen gebracht. Während dieser Jahre musste ich gefühlt schneller "erwachsen werden", da plötzlich eine ganz andere Verantwortung auf mir lag. Die dreijährige Berufsausbildung empfand ich nicht nur fachlich anspruchsvoll, sondern auch emotional. Die alltägliche Konfrontation mit Krankheit sowie die Verantwortung für das Wohlergehen von Patienten verlangten ein hohes Maß an Reife und Belastbarkeit.Die Ausbildung lehrte mich auch wichtige Werte wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, die Arbeit im multiprofessionellen Team und den Umgang mit Hierarchien. Rückwirkend empfinde ich diese sozialen und beruflichen Kompetenzen als entscheidend für meine persönliche und berufliche Entwicklung.

Das Studium hingegen bedeutete für mich zum ersten Mal eine Art „große persönliche Freiheit“. Ich habe die Zeit sehr genossen und hatte immer das Gefühl, einen Vorteil zu haben: Bereits in der Ausbildung musste ich lernen, mich zu strukturieren und Zeitmanagement zu betreiben. Diese Fähigkeiten konnte ich im Studium hervorragend anwenden, was mir erlaubte, die akademische Freiheit voll auszukosten. Das Studium an sich empfand ich eher als eine sehr „egoistische Sache“. Nach einiger Zeit fehlte mir jedoch die praktische Arbeit mit Patienten. Aus diesem Grund habe ich wieder begonnen, Dienste in der Klinik zu übernehmen. So habe ich jedes zweite Wochenende als examinierte Kinderkrankenpflegerin auf einer Frühgeborenenstation gearbeitet und meine Leidenschaft für den Beruf noch einmal neu entdeckt. Vor allem während der Corona-Pandemie war die praktische Arbeit für mich essenziell, denn sie stellte einen wichtigen Ausgleich zum Online-Uni-Alltag dar.

WELCHE ENTSCHEIDUNGEN WÜRDEST DU AUS HEUTIGER SICHT ANDERS TREFFEN?

Rückblickend betrachtet habe ich bemerkt, dass jeder Schritt wichtig für meinen eigenen Weg der Berufsfindung war sowie mich mit wertvollen Erfahrungen und Erkenntnissen bereichert hat. Sowohl die Herausforderungen als auch die Erfolge haben mich geformt und mir geholfen, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und meine Leidenschaft für meinen jetzigen Beruf zu entdecken. Im Nachhinein betrachtet, bin ich dankbar für jede Erfahrung, sei es in der Ausbildung, im Studium oder in den Praktika, da sie mir geholfen hat, mich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

WELCHEN RAT WÜRDEST DU EINER PERSON GEBEN, DIE NACH DER SCHULE IHRE RICHTUNG SUCHT?

Manchmal eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, wenn man neue Wege geht. Ich habe selbst erfahren, wie wertvoll Nebenjobs und praktische Erfahrungen neben dem Studium sein können. Sie bieten die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Berufsfeldern vertraut zu machen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

Ich möchte jeden ermutigen, den Mut zu haben, die Komfortzone zu verlassen, neue Wege zu gehen und sich von Herausforderungen nicht abschrecken zu lassen. Denn oft sind es gerade die Erfahrungen jenseits des Bekannten, die zu den bedeutendsten Entdeckungen und Entwicklungen führen.

Manchmal eröffnen sich gerade auf Umwegen die spannendsten Entdeckungen und beruflichen Möglichkeiten. Also neugierig und offen bleiben und die Bereitschaft haben sich auf die neuen Wege einzulassen und evtl. auch vorherige Pläne einfach mal über Bord werfen ;)

Interview mit Philip Korsten, unterwegs seit 2014

Philip – WAS MACHST DU HEUTE UND WAS MAGST DU DARAN? 
Heute bin ich Trainee bei der Deutschen Telekom und befinde mich gerade in der Mitte des anderthalbjährigen Programms. Ich habe mich für das Traineeprogramm mit Fokus auf Regulierung und Government Affairs im Vorstandsbereich des CEO entschieden, weil ich hier meine bereits in der politischen Arbeit und im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse sowie meine politischen Kontakte einbringen kann.


 WIE SIEHT DEIN WEG DORTHIN AUS – UND WELCHE HÜRDEN MUSSTEST DU DABEI ÜBERWINDEN? 

Ich habe Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre im Bachelor an der Universität Mannheim und Governance and Public Policy im Master an der Technischen Universität Darmstadt studiert.

Nach meinem Abitur habe ich zunächst ein Jahr im Ausland verbracht, was meine Soft Skills erheblich verbessert hat. Ich habe dieses Jahr in Mexiko gearbeitet und musste dabei viele interkulturelle Hürden überwinden. Sprachbarrieren und ein unterschiedliches Verständnis von Arbeitsabläufen haben die Zusammenarbeit manchmal erschwert, mir jedoch bis heute geholfen, eine gewisse Gelassenheit in Meetings zu entwickeln.

Die größte Hürde, die ich überwinden musste und die im Nachhinein meine Karriere nachhaltig beeinflusst hat, war ein Fehler in der Verwaltung meines Bachelorstudiengangs. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man nicht immer die Kontrolle über den eigenen Weg hat und das Beste aus jeder Situation machen muss. Die Studiengangsverwaltung wollte mir gegen Ende meines Bachelors einen Kurs nicht anerkennen und informierte mich darüber, als ich eigentlich schon meinen Abschluss in der Tasche haben sollte. Nachdem alle Fristen für die Bewerbungen von Masterstudiengängen bereits verstrichen waren, erhielt ich glücklicherweise doch noch mein Zeugnis.

Um die Zeit bis zum Beginn meines Masterstudiums zu überbrücken, habe ich ein Praktikum bei der Deutschen Telekom absolviert. Dieses Praktikum war der Einstieg in einen Weg, der mich letztendlich in die Position gebracht hat, in der ich mich heute befinde.

 WAS FANDEST DU BISLANG WICHTIGER: DIE PRAKTIKA ODER DAS STUDIUM? WELCHEN TEIL BESONDERS?
Ich glaube, die goldene Mischung macht es, und das soll keine Floskel sein. In meinem Fall war besonders der VWL-Teil des Bachelorstudiums sowie mein Master mit Fokus auf die Entscheidungsfindung in der öffentlichen Verwaltung von großem Gewinn. Von diesem erlernten Wissen profitiere ich noch heute. Aber auch Praktika waren für meinen Werdegang sehr wichtig.
So habe ich in meinen ersten Praktika in der Hotellerie und Gastronomie sowie in der Öffentlichkeits- und Pressearbeit bei einer Bank und einem Energieversorger Erfahrungen gesammelt. Schließlich führte mich ein Praktikum bei der Telekom, wo ich nach einem zweijährigen Werkstudium während meines Masters bei einem Verband in Berlin war, letztendlich als Trainee zur Telekom.
All diese Erfahrungen und ständiges Hinterfragen, wohin ich als nächstes möchte, was ich noch nicht gesehen habe und was ich noch sehen will, haben mir geholfen, die Theorie aus der Universität mit dem praktischen Wissen der Wirtschaft zu verknüpfen.


 WELCHE ENTSCHEIDUNGEN WÜRDEST DU AUS HEUTIGER SICHT ANDERS TREFFEN?
Keine grundlegenden Entscheidungen. Ich hätte vielleicht noch mehr Sprachen während meiner Studienzeit lernen sollen. Das versuche ich jetzt auf dem Weg zur Arbeit nachzuholen, indem ich Sprachkurse belege. Es gibt so viele tolle und kostengünstige Sprachkurse an der Universität, die ich damals mehr hätte nutzen sollen.


 WELCHEN RAT WÜRDEST DU EINER PERSON GEBEN, DIE NACH DER SCHULE IHRE RICHTUNG SUCHT?
Wenn es euch möglich ist, nehmt euch nach der Schule Zeit und sucht euch nicht unbedingt den prestigeträchtigsten Studiengang oder Arbeitgeber für die Ausbildung aus. Findet heraus, was euch Spaß macht, denn nur darin werdet ihr wirklich gut sein. Als ich vor fast zehn Jahren in die Beratung zur Studienwahl gegangen bin, war ich fest davon überzeugt, dass ich Jurist werden will. Heute bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe! Das hätte überhaupt nicht zu mir gepasst und ich bin mir sicher, dass ich das Studium entweder frustriert durchgezogen hätte mit entsprechend schlechtem Ergebnis oder dass ich es abgebrochen hätte.
Unter anderem auf Anraten von Ulrike Bentlage habe ich mich für ein Studium der Politikwissenschaften entschieden, ein Fach, das mich schon immer wahnsinnig interessiert hat, bei dem ich aber nicht gedacht hätte, dass man damit irgendwann einmal etwas Gescheites anfangen kann. Bleibt neugierig und glaubt stets an euch. Es ist auch wichtig, dass ihr euch Rat holt, wenn ihr nicht mehr weiter wisst. Ich versichere euch, dass jemand schon einmal die gleiche Problematik hatte, vor der ihr gerade steht. Seid nicht übermütig und folgt euren Leidenschaften. Wie gesagt – nur in dem, was man gerne macht, ist man auch gut und bereit, die extra Meile zu gehen, die es für eine glückliche berufliche Zukunft braucht.

Michelle Vornbäumen, unterwegs seit 2016

Was machst Du heute und was magst Du daran? 

Vor noch nicht allzu langer Zeit bin ich bei Stadler – einem Schienenfahrzeughersteller aus der Schweiz – eingestiegen. Dort arbeite ich im Group Controlling. Das heisst, ich bin auf Konzernebene für die Finanzzahlen zuständig. An meinem Job mag ich allem die Arbeit mit Zahlen, die Freude am Detail und das damit verbundene hohe Mass an Gewissenhaftigkeit, welches in meiner täglichen Arbeit gefordert ist. Und ehrlicherweise finde ich auch unser Produkt ziemlich cool und wahnsinnig faszinierend, wenn man durch die Produktionshalle läuft und sieht, wie aus einem Einzelteil ein gesamter Zug entsteht.   

Wie sieht Dein Weg dorthin aus – und welche Hürden musstest Du dabei überwinden? 

Mein Weg dahin war nicht immer ganz stolperfrei. Als ich mit meinem betriebswirtschaftlichen Studium gestartet habe, habe ich schnell festgestellt, dass ich eine von vielen bin. Mit knapp 3000 Kommilitonen bin ich gestartet und immer wieder habe ich gezweifelt, ob das der richtige Weg für mich ist. Schnell stellte sich nämlich heraus: Der typische Weg eines BWLers, nach dem Studium in der Beratung oder im Bankenwesen anzufangen, ist nun wirklich gar nichts für mich. Für mich schien es vor allem immer so, als würden alle anderen genau wissen, was sie später einmal beruflich machen wollen. Das hat mich verunsichert, weil ich es eben noch nicht genau wusste. Umso herausfordernder war es für mich, meinen eigenen Weg zu finden und mich über die aufkommenden Zweifel hinwegzusetzen. Dabei hatte ich gottseidank immer Menschen um mich herum, die mich unterstützt haben und die ich um den ein oder anderen Rat bitten durfte.  

Was fandest Du bislang wichtiger: Die Praktika oder das Studium? Welchen Teil besonders? 

Für mich persönlich waren es meine Praktika und Anstellungen als studentische Mitarbeiterin an der Universität, die sich als sehr wertvolle Erfahrungen herausgestellt haben. Natürlich spielt das Studium selbst auch eine grosse Rolle, denn dort lernt man schliesslich die Theorie und das «technische», was man später im Job gut gebrauchen kann… und man lernt tolle Menschen kennen, die zu Wegbegleitern werden. Aber vor allem muss man für sich selbst herausfinden, in was für einem (Arbeits-)Umfeld man sich wohlfühlt, um «Höchstleistung» zu erbringen: Was erwarte ich von meinen Vorgesetzen, was ist mir im Umgang mit Kollegen wichtig, fühle ich mich eher in flachen oder starren Hierarchien mit klaren Aufgabenverteilungen wohl, in grossen oder kleinen Unternehmen. All das sind Fragen, die ich vor allem durch meine gesammelten Arbeitserfahrungen beantworten, oder zumindest deutlich besser einschätzen konnte.  

 welche Entscheidungen würdest Du aus heutiger Sicht anders treffen?

 Ich würde eher davon sprechen, mit gewissen Situationen anders umzugehen. Als ich mein Studium gestartet habe, war ich eher zurückhaltender. Wenn ich zurückreisen könnte und nochmal starten dürfte, dann würde ich viel mehr den Kontakt und Austausch mit verschiedenen Personen, studentischen Organisationen und den universitären Angeboten suchen. Gerade im Master habe ich dann gemerkt, dass genau dieser Austausch einen grossen Beitrag für die persönliche Entwicklung leistet und man lernt, selbstsicherer an neue Situationen heranzutreten. Und wenn ich nun doch noch eine Antwort auf die ursprüngliche Frage finden muss, dann würde ich sagen, dass ich die Entscheidung, in meiner freien Zeit zwischen Bachelor und Master nur berufliche Praktika zu machen, überdenken würde. Ich meine: Wann hat man nochmal so viel Zeit und Freiheiten, die Länder, die auf der eigenen «Bucket List» stehen, zu bereisen? Ich würde nicht sagen, dass es nun zu spät ist, aber man braucht eben viel länger, um in meinem Fall alle nordischen Länder und Grossbritannien mal abzuklappern. 

Welchen Rat würdest Du einer Person geben, die nach der Schule ihre Richtung sucht?

Sich nicht von dem beeinflussen lassen, was alle anderen machen. Jeder Mensch ist individuell und so auch sein oder ihr Weg nach der Schule. Man muss nicht das Gefühl haben, sofort nach der Schule ein Studium oder eine Ausbildung starten zu müssen, die im Traumjob für die nächsten 30 Jahre mündet. Lieber die Sache mit Ruhe angehen, auch mal die Familie oder enge Freunde um Rat fragen – denn oftmals sehen gerade die

Personen Stärken, die einem selber vielleicht noch nicht bewusst sind. Und vielleicht als Schlusswort eine Sache, die mir auf meinem Weg immer geholfen hat: Authentisch bleiben – mit einer gesalzenen Prise Humor!

A walk in the park...

DO NOT BE SHY, HERO!

Unter dieser Headline sind wir zu fünft unterwegs: um unsere Kompetenzen zusammenzubringen und daraus ein Paket zu schnüren, das jungen Leuten das Rüstzeug gibt, ihren Weg nach der Schule mit Mut und Zuversicht zu gehen.

Wir alle - mit den jeweils unterschiedlichen Perspektiven - haben einen Wunsch: den Teilnehmer:innen eines künftigen Workshop Programmes Klarheit mitzugeben über ihre Stärken und Fähigkeiten und ihnen die Last zu nehmen, die die Entscheidungen über die ersten persönlichen Weichenstellungen manchmal mit sich bringen. Noch sind wir im "rapid prototyping" Modus, und zugleich begeistert von der Vielfalt unserer Ansätze. Die beste Garantie dafür, dass wir weitermachen!

Im Einzelnen steht Natalia Chopra für eine unglaublich internationale Perspektive, unverwüstliche Strukturiertheit und sehr unterschiedliche, stärkende Coaching Methoden, Katrin Fries-Enaux als Psychologin für eine sehr differenzierte und persönliche Auseinandersetzung mit ihren Kanditdat:innen, vor allem auch dann, wenn es mal schwierig wird, Christina Hoensbroech als Sozialpädagogin bringt durch ihre Arbeit in den Workshops Ab ins Leben sehr viel Erfahrung in Methodenvielfalt und Dynamik in Gruppensituationen wertvolle Expertise ein und Stephanie Whitcomb-Reschke ist als Expertin für Programme, die zum persönlichen Wachstum vor, während oder nach des Studiums den eigenen Weg bereichern können, diejenigie, von der wir am liebsten alle selbst Vorschläge hätten, was wir in unserem Leben nochmal erleben sollten!

DO NOT BE SHY, HERO!

Regelmäßig führen wir einen sehr inspirierenden Austausch von Ideen, Konzepten und Erfahrungen mit Stephanie Whitcomb-Reschke, Natalia Chopra, Christina Hoensbroech und Katrin Fries-Enaux.

Der gemeinsame Nenner: Jede von uns arbeitet mit jungen Menschen, und unser Bestreben ist es, ihnen zu helfen, ihren Weg im Leben zu finden, sei es bei der Berufswahl oder bei der Wahl ihres Lebens. Unser "Schlachtruf": Do not be shy, hero! Das ist es, was wir erreichen wollen: junge Erwachsene zu ermutigen und zu stärken, ihren eigenen Weg im Leben zu finden.

Dabei hat jede von uns ihre eigene Handschrift und Herangehensweise, wie man diese jungen Menschen unterstützen und Antworten auf ihre Fragen finden kann. Wenn Sie mehr erfahren möchten: Besuchen Sie unsere Linkedin-Profile und - oder Websites. Es gibt noch mehr zu entdecken!

Bewerbungsfotos: Mehrwert oder verkehrt? 

Vor allem Absolventen mit internationaler Erfahrung fragen regelmäßig: gehört denn überhaupt ein Foto in meine Bewerbung? Um es vorweg zu nehmen: ich bin dafür ein Foto zu nutzen, wenn es ermöglicht wird. Mir ist klar, dass internationale Lebensläufe - typischerweise etwa in den USA - ohne Foto erstellt werden und mir ist auch klar, welche guten Gründe es dafür gibt.

Aber im Bewerbungsprozess geht es ums gegenseitige Kennenlernen und in jeder anderen Situation des Kennenlernens möchte ich auch wissen, welches Bild ich mir von Menschen machen kann, denen ich neu begegne. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das mag wie ein abgegriffener Kalenderspruch wirken, ist aber doch auch eine zeitlose Wahrheit über unsere Art der Weltwahrnehmung.

Mit einem guten Foto auf der Bewerbung kann ich eine Menge signalisieren, inklusive des Aspektes, dass ich mir mit einem guten Foto Mühe gegeben habe. Und im Idealfall entsteht die Wirkung, die die Bewerbung haben soll: Interesse am gegenseitigen Kennenlernen.

Fotos können situativ sein, viel ausdrücken durch Kleidung, Hintergrund, Farbe oder schwarz-weiß, Bildausschnitt, Körperhaltung und Beleuchtung... ein guter Fotograph achtet darauf und fragt euch, wofür ihr euch bewerbt, was ihr zum Ausdruck bringen wollt und lässt euch darüber sprechen. Dann macht die Sache sogar Spaß!

Praktika oder Prep Programme?

Was ist eigentlich besser im Gap Year nach dem Abi: Kurse buchen und lernen oder praktische Erfahrung sammeln? Wenn Kiwi pflücken in Neuseeland keine Option ist...?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Praktika sind - keine Frage - fast immer eine wertvolle Erfahrung und sei es nur, um hinterher festzustellen, was man auf keinen Fall machen möchte. Aber: ohne relevante erste Studienerfahrung sind substanzielle Praktika gar nicht so leicht zu bekommen. Sie müssen eine gewisse Dauer haben, damit sie wirklich für eigene praktische Erfahrung taugen - als Faustregel gebe ich hier immer ein Minimum von 3 Monaten an. Und wenn es schlecht läuft landet man gerade in dem "Biotop", wo man einen verzerrten Eindruck bekommt und ein Berufsbild abwählt, das eigentlich ganz gut passen würde.
Prep Programme gibt es in verschiedenster Form: von Hochschulen, von privaten Anbietern, von Unternehmen zum Teil auch - und zu allen Themen und in sehr unterschiedlicher Dauer - ein paar Tage bis zu einem ganzen Jahr. Allen voran begegnen einem gerade allenthalben coding bootcamps - ein großartiger Ausgleich für fehlenden Informatikunterricht . Aber auch Studienjahre mit allgemeinem Bildungsanspruch bewähren sich hier: das Leibniz Kolleg Tübingen zum Beispiel. Oder spezielle Orientierungsprogramme im Bereich MINT (Mathe, IT, Naturwissenschaften, Technik), etwa an der TU München oder TU Berlin. Sie bieten für all die eine großartige Grundlage, die "irgendwas mit Ingenieur" studieren wollen, aber noch nicht präzise benennen können, in welche Richtung es denn gehen soll. Für die Designer gibt es Mappenkurse - ich finde gar kein Ende, wenn ich hierzu schreibe

Was ich erreichen möchte: gerade für die Zeit zwischen Abi und Studienstart auch den Blick aufzumachen für Prep Programme - sie können helfen, die eigene Wahl zu überprüfen oder zu präzisieren, Bewerbungschancen für Studiengänge zu erhöhen oder sich fachlich auf den Stand der Dinge zu bringen. Selbst wenn es durchaus etwas kosten kann: das kann sehr gut investiert sein.

Duales Studium – Volltreffer oder nur die Hälfte wert?

Im Zuge der Beratungen, wie es nach dem Abitur weitergehen kann, werde ich immer wieder gefragt: „Was halten Sie denn von einem dualen Studium?“. Die Untertöne dabei sind sehr verschieden von maximal skeptisch bis zur Hoffnung, dass dies einen Hauptgewinn darstellen würde.

Manchmal erledigen sich die Überlegungen dazu schneller als gewollt, denn ein wesentlicher Unterschied zum „klassischen“ Studium liegt in den Bewerbungsfristen: für das duale Studium bewirbt man sich rund ein Jahr eher als für einen Platz an der Uni. Und Bewerbungsstart ein Jahr eher heißt, dass die Überlegung dazu ob dieser Weg passt und welches Unternehmen gut wäre, noch eher anfangen.

Stichwort Unternehmen: ein weiterer wesentlicher Unterschied. Das duale Studium macht man „beim Bosch“ oder bei „Daimler, Miele, Oetker“. Für das klassische Studium nennt man die Uni, an die man geht. Der wesentliche Partner für das duale Studium ist ein Unternehmen (oder Behörde oder vergleichbare Organisation), der akademische Partner ist gesetzt.

Die meist genannten Vorteile sind offenkundig: ein Gehalt und automatisch Praxiserfahrung neben der theoretischen Ausbildung. Worauf man sich einlässt, hängt ein bisschen immer von der konkreten Umgebung ab, aber wenn man es drastisch ausdrücken möchte: während des dualen Studiums, so berichten es viele, brauche man sich außer Arbeiten, Lernen und Schlafen nicht allzu viel vorzunehmen. Damit ist es eher eine Wahl für klar leistungsorientierte Kandidaten. Oder für jene, die sich mit dem dualen Studium eine klare und sichere Anschlussperspektive verschaffen möchten.

Wer sich nicht so sehr festlegen möchte, auf eine Branche, einen Standort, ein Unternehmen und in der Studienzeit mehr experimentieren möchte mit Studieninhalten, Praktika in verschiedenen Bereichen und vielleicht auch mit Auslandsaufenthalten und Uniwechsel mehr Raum für allgemeine Lebenserfahrungen möchte, hat mit einem klassischen Hochschulweg sicher mehr Entscheidungsfreiheiten. Eine pauschale Antwort gibt es daher nicht – jeweils individuelle Entscheidungen, in die viele Faktoren mit einfließen sollten. Mehr, als hierher passen würde...

Azubi oder Akademiker? 
„Ich habe mich doch nicht durchs Abitur gequält, um jetzt auf Malocher zu machen!“

 Jährlich beenden Tausende Abiturient:innen ihre Schullaufbahn, aber: alles was Abitur hat, geht studieren. Warum ist das so? Eine Dänin erzählte mir: „Die guten Wassergrundstücke in meiner Heimatstadt gehen bei einem Verkauf eigentlich inzwischen immer an Handwerker. Die Guten bekommen so tolle Aufträge, die können sich das leisten.“ Angebot und Nachfrage könnten handwerkliche Berufe in eine komfortable Situation bringen. Aber meistens hört man: „Ich gehe lieber ins Studium.“ Warum ist das so?

Wer nicht studiert, ist weniger wert.
So nehme ich das in meinem Beratungsalltag für Abiturient:innen wahr, die ihren beruflichen Weg ausloten wollen. „Ich hab mich doch nicht durchs Abitur gequält, um jetzt auf Malocher zu machen machen!“ (Karsten, 18). Doch dieses Naturgesetz ist menschengemacht und stammt aus einer Zeit, als Handarbeit hieß: monotones Machen in schmuddeliger Umgebung, auf Jahre hinaus. Gesellschaftlicher Aufstieg, das war über Generationen hinweg: endlich einen ‚weißen Kragen‘ tragen. Und den weißesten der Krägen trägt der Akademiker, am besten promoviert. So denken viele immer noch.

Perspektiven, Aufstiegsprogramme, Sonderbehandlungen: das gibt es nur für Akademiker. Während allerdings gerade klassische Kopfarbeiten zunehmend digitalisiert werden, stehen die Betriebe bestürzt vor einem Mangel an hochqualifizierten Facharbeitern. Denn die stumpfsinnigen schmutzigen Arbeiten werden längst von Maschinen erledigt. Zumindest zumeist. Menschen sind in der Produktion heutzutage da gefragt, wo Maschinen nicht hinkönnen. Da wo Probleme nur durch besondere Intelligenz, erfahrenes Können, Kreativität, sensibles Wahrnehmen und schnelles Querdenken gelöst werden können. Immer wieder treffe ich Abiturient:innen, die genau dafür bestens geeignet wären. Menschen, deren Motivationsprofil eigentlich genauso gut zu einem Ausbildungsberuf passt wie zu einem wissenschaftlichen Studium. Menschen, die Präzision lieben, die darin aufgehen, eine komplexe Tätigkeit komplett zu durchdringen und zu beherrschen. Aber auch ich kann ihnen eine Ausbildung nicht immer uneingeschränkt empfehlen – mit Blick auf die damit verknüpften Arbeitsbedingungen und Aufstiegsbegrenzungen.

 Wer Virtuosen in der Fertigung will, sollte sie auch wie Künstler behandeln.
Das Unternehmen Morgan Motors aus Großbritannien ist ein Beispiel. Der Hersteller für handgearbeitete Sportwagen weiß, dass die Qualität seiner Produkte direkt von der Expertise jedes einzelnen Mitarbeiters abhängt. Man kennt die Mitarbeiter, man weiß, was jeder Einzelne braucht, um sein Bestes zu geben und: man kommuniziert, dass es die herausragenden Mitarbeiter sind, die das herausragende Produkt machen. Eine Wertschätzung, die die Mitarbeiter in vollem Maße zurückgeben. Sie arbeiten erstklassig und sie bleiben. Einer der Kollegen dort, zuständig für den Schnitt des Leders, hat sich auf den Arm tätowiert: „Think twice before you cut!“. Keiner würde einen Geiger abwerten, weil er sein Handwerk virtuos beherrscht. Das aber ist der gesellschaftliche Alltag für Millionen von Verfahrensmechanikern, Fachinformatikern oder Tischlern.

 Individuelle Wege und Karrieren entlang des Lifecycle
Zu mir kam kürzlich ein außergewöhnlicher junger Mann. Unübersehbar intelligent und gleichzeitig sehr klar in seinen Lebenszielen. Er widersetzte sich erfolgreich allen Bemühungen von Schule und Unternehmen, ihn auf die kognitive Überholspur zu setzen. Er lehnte ein bilinguales Abitur ab, er lehnte das duale Studium ab, mit der Begründung, sowohl seinen Freundschaften als auch seiner Ausbildung gerecht werden zu wollen. Inzwischen hat sich sein Unternehmen auf ihn eingestellt, ihm eine anspruchsvolle Stelle gegeben und finanziert ihm jetzt ein späteres berufsbegleitendes Studium. Ein Zeichen für einen gelungenen Paradigmenwechsel im personalpolitischen Denken: Der individuelle Blick auf ein individuelles Talent ergibt eine maßgeschneiderte Lösung mit Win-Win-Effekt. Der junge Mann bekommt genau das, was er sich persönlich und für seine berufliche Entwicklung wünscht, das Unternehmen bindet dadurch eine vielversprechende Persönlichkeit und kann ihn ganz gezielt seinem Potential entsprechend entwickeln und besetzen. Damit setzt das Unternehmen das fort, was junge Leute aus dem Schulsystem kennen und verinnerlicht haben: vertikale Durchlässigkeit. Aufstieg nach oben ist immer möglich, der Weg dorthin muss nicht Mainstream sein.

 Damit eröffnen sich Wege, die eigene Karriere in Phasen zu denken und zu gestalten. Der Gedanke birgt häufig eine gewaltige Erleichterung für junge Leute in der Berufs- und Studienwahl: mit der ersten Entscheidung nach der Schule stelle ich eine Weiche. Aber ich bestimme nicht über den Rest meines Lebens.

Sti­pen­di­en gibt es vie­le - wel­ches ist für Dich?

Ich sel­ber war Sti­pen­dia­tin - beim DAAD, für mein Aus­lands­stu­di­um in Frank­reich. Das war ein­fach, weil es eine sehr ty­pi­sche Kon­stel­la­ti­on war, ähn­lich wie ERAS­MUS oder der PAD für an­ge­hen­de Leh­rer:in­nen. Vie­le mei­ner spä­te­ren Prak­ti­kant:in­nen hat­ten Sti­pen­di­en, bei den För­der­wer­ken wie der Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Vol­kes oder das Deutsch­land­sti­pen­di­um. Ein Sti­pen­di­um war im­mer auch ein ex­tra Bo­nus bei Be­wer­bun­gen - nicht zu­letzt, weil es zeigt, dass sich da je­mand drum ge­küm­mert hat. Dann konn­te ich als Men­to­rin an­de­re Sti­pen­dia­tin­nen be­glei­ten: ihr seht: das The­ma Sti­pen­di­um be­geg­net mir im­mer wie­der.
Weil es hier so vie­le Op­tio­nen gibt, möch­te ich aus­drück­lich er­mu­ti­gen: das rich­ti­ge Sti­pen­di­um su­chen hilft! Auch nach lan­ger Er­fah­rung ent­de­cke ich im­mer wie­der neue An­ge­bo­te, wie etwa das Sti­pen­di­um der Be­gab­ten­för­de­rung be­ruf­li­che Bil­dung - ei­gens ge­schaf­fen wie jun­ge Leu­te mit ab­ge­schlos­se­ner Aus­bil­dung, de­nen ein Stu­di­um nicht nur des­we­gen ver­wehrt blei­ben soll, weil das mög­li­che fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me be­deu­ten wür­de. Es gibt Leis­tungs- und För­ders­ti­pen­di­en, Voll- und Teilstipendien, es gibt na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le An­ge­bo­te. Und: meis­tens lernt man im Aus­tausch mit den Co-Sti­pen­dia­t:innen gleich noch eine Men­ge wert­vol­le Din­ge dazu. Da­her: plant Zeit ein, selbst wenn ihr euch viel­leicht nicht dar­auf an­ge­wie­sen fühlt. Ein Sti­pen­di­um ist häu­fig weit­aus mehr als "nur" eine fi­nan­zi­el­le Be­rei­che­rung.

Test­ver­fah­ren für die Stu­di­en- und Be­rufs­wahl: nütz­lich oder nicht?

Es gibt zahl­rei­che Test­ver­fah­ren, teil­wei­se on­line, teil­wei­se kos­ten­los, die dir An­halts­punk­te für dein Pro­fil lie­fern. Sie un­ter­schei­den sich sehr in Aus­sa­ge und Qua­li­tät – aber vor al­lem: Sie alle kön­nen nur die In­for­ma­tio­nen aus­wer­ten, die du ih­nen zur Ver­fü­gung stellst. Gute Fra­ge­bö­gen be­inhal­ten im­mer wie­der Quer­fra­gen, da­mit be­stimm­te Ant­wor­ten über­prüf­bar sind. So soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass nicht ein Zu­falls­ge­ne­ra­tor ge­ra­de die Fra­gen be­ant­wor­tet. Aber auch wenn du mit größ­ter Ehr­lich­keit und Kon­zen­tra­ti­on ar­bei­test: Über­las­se nicht al­lein der „Ma­schi­ne Be­rufs­wahl­test“ die gan­ze Ver­ant­wor­tung für dei­ne Ent­schei­dung.

Je we­ni­ger dif­fe­ren­ziert ge­fragt wird, des­to eher lässt sich der Fra­ge­bo­gen auch ma­ni­pu­lie­ren: Das heißt, du zeich­nest viel­leicht ein Bild von dir, wie du es gern hät­test – nicht, wie du bist. Wenn du ei­nen Ein­druck ge­win­nen willst, wie ver­schie­de­ne Tests auf den Prüf­stand ge­stellt wer­den, dann schau dir auf YouTube das Vi­deo vom Cam­pus Ma­ga­zin des ARD-al­pha (Baye­ri­scher Rund­funk, 2017) an. Hier kannst du live mit­er­le­ben, wie sich die Tests und ihre Er­geb­nis­se von­ein­an­der un­ter­schei­den. Cam­pus Ma­ga­zin: Er­folg für die Kar­rie­re ? Be­rufs­wahl­tests, Prak­ti­ka und Jobs | ARD Me­dia­thek

Erst er­le­ben, dann ent­schei­den - 
Aus­pro­bie­ren als Pa­ra­de­weg auf der Ex­pe­di­ti­on Be­rufs­ori­en­tie­rung

Muss es im­mer ein Prak­ti­kum sein, wenn man et­was er­le­ben will, et­was aus­pro­bie­ren möch­te? Nein. Am Wo­chen­en­de habe ich es ein­drucks­voll er­lebt: ich hat­te die Chan­ce, ein Co­ding Boot­camp als Coach zu be­glei­ten. 100 Teil­neh­mer, die den Fe­ri­en­be­ginn in ei­nem vir­tu­el­len co­ding boot­camp ver­bracht ha­ben. An­fän­ger! Und am Ende hat­ten alle 12 Teams Pro­jek­te auf die Bei­ne ge­stellt, nicht nur kon­zep­tio­nell oder gra­phisch, son­dern mit rich­ti­ger pro­gram­mier­ter Sub­stanz. Das Bild zeigt den Weg von der Idee zum Ma­schi­nen­raum ei­nen neu­en App. An­de­re hat­ten Web­sites ge­stal­tet oder Spie­le ent­wor­fen. Und manch ei­ner ist neu­gie­rig auf mehr ge­wor­den. Viel­leicht ha­ben wir den ei­nen oder an­de­ren da­mit auf die Idee ge­bracht, zum di­gi­ta­len Pio­nier zu wer­den. Das wäre pri­ma, für je­den ein­zel­nen Teil­neh­mer (oder Teil­neh­me­rin: 40 Pro­zent Frau­en­quo­te!) und für un­se­re Ge­sell­schaft, die zu­neh­mend in fast al­len be­ruf­li­chen Fel­dern di­gi­ta­le Ta­len­te be­nö­tigt. 

Der Weg von der Idee hin zum Programmieren einer App während des Camp der Code+Design Initiative.

Zu­kunfts­be­ru­fe: Wie kann ich heu­te
den rich­ti­gen Be­ruf für mor­gen wäh­len?

Als ich in der Le­bens­pha­se war, mir über mei­nen Be­ruf Ge­dan­ken zu ma­chen, war die land­läu­fi­ge Mei­nung: "Eine Aus­bil­dung bei der Bank ist eine si­che­re Bank!". Wer heu­te in die Ban­ken­welt schaut, er­kennt: das ist kei­nes­wegs mehr si­cher, dort sei­nen Ar­beits­platz ga­ran­tiert zu be­hal­ten. Stel­len­ab­bau, Fu­sio­nen, Au­to­ma­ti­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung ha­ben für eine enor­me Ver­än­de­rung ge­sorgt. Man­che Mit­ar­bei­ter ge­hen durch wie­der­hol­te Re­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ef­fi­zi­enz­pro­gram­me ih­rer Kre­dit­in­sti­tu­te und so manch ei­ner denkt "all das für ei­nen bes­ten­falls mit­tel­mä­ßig ge­lieb­ten Job....".
Wer heu­te DEN zu­kunfts­si­che­ren Job sucht, wür­de ver­mut­lich hö­ren: "Mach was mit IT, die wer­den im­mer ge­braucht!". Ir­gend­wie stimmt das - die As­pek­te, in de­nen Soft­ware, Al­go­rith­men und in­tel­li­gen­te Steue­rungs­ele­men­te in un­se­rem All­tag eine Rol­le spie­len, wer­den im­mer viel­fäl­ti­ger. Ir­gend­wie stimmt es aber auch nicht: je­mand, der so gar kei­nen Draht zu Ma­te­rie hat, oder es schlicht über­haupt nicht mag, im IT-Um­feld zu ar­bei­ten, ist da nicht gut auf­ge­ho­ben. Lei­der kön­nen das aber vie­le gar nicht so ge­nau sa­gen: sie hat­ten schlicht nicht ge­nü­gend Be­rüh­rungs­punk­te. Es wäre wirk­lich wich­tig, jun­gen Leu­ten das Pro­gram­mie­ren ("coden") stan­dard­mä­ßig in der Schu­le nahe zu brin­gen. Wie eine Pflicht-Fremd­spra­che. Vie­le wer­den dann erst er­ken­nen, ob hier nicht Ta­len­te schlum­mern. Der ge­gen­wär­ti­ge In­for­ma­tik-Un­ter­richt ist häu­fig ent­we­der lang­wei­lig oder ver­al­tet oder bei­des. Aus­nah­men be­stä­ti­gen die Re­gel.

Umso mehr freut es mich, In­itia­ti­ven zu se­hen und mit­un­ter zu un­ter­stüt­zen, die sich ge­nau die­se Lü­cke vor­neh­men, etwa die code+de­sign uni­ver­si­ty, die ab Früh­jahr 2021 im Ruhr­ge­biet boot­camps an­bie­tet, spe­zi­ell an Schü­ler:in­nen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ge­rich­tet. Wer dar­an teil­ge­nom­men hat, be­kommt eine ganz neue Ein­schät­zung, ob hier nicht be­ruf­li­che Chan­cen lie­gen - aber mit dem Un­ter­schied, dass es um das per­sön­li­che Er­le­ben und die ei­ge­ne Be­geis­te­rung geht und nicht nur um eine tak­ti­sche Wahl. 

Guter Rat bei der Studien-  oder Berufswahl durch Menschen, die dich gut kennen

Schwar­min­tel­li­genz nut­zen: die meis­ten Men­schen sind gen bereit, Dich zu unterstützen.

Weg­be­glei­ter: gu­ter Rat bei der Stu­di­en- und Berufs­wahl

Ihr habt ver­mut­lich ge­se­hen, dass ich ein Buch ver­öf­fent­lich habe. Hier fas­se ich kurz zu­sam­men, war­um ich es so wich­tig fin­de, sich gu­ten Rat auf dem Weg der Be­rufs­wahl oder Stu­di­en­wahl ein­zu­ho­len. 

Vie­le Fehl­ent­schei­dun­gen in der Be­rufs­wahl ha­ben da­mit zu tun, dass sich jun­ge Leu­te - und manch­mal auch schon viel er­fah­re­ne­re Men­schen - zu stark mit dem be­fas­sen, was ent­we­der an­de­re toll fin­den oder aber was sach­lich-fach­lich vor­der­grün­dig gut zum ei­ge­nen Pro­fil passt. Eine Ent­schei­dung aus so­zia­ler Er­wünscht­heit ("dazu sa­gen be­stimmt alle WOW") trägt sel­ten lang, wenn nicht der ei­ge­ne Drang in die glei­che Rich­tung geht. Lest euch dazu gern das Bei­spiel von Phil­ipp durch. Er wird auch auf Béa Bes­tes Blog New Link er­wähnt. Die Er­fah­rung wie es ist, in fal­schen Bio­top zu lan­den, ob­wohl es doch of­fen­kun­dig EI­GENT­LICH gut pas­sen soll­te, habe ich selbst ge­macht. In mei­ner Kurz­bio könnt ihr nach­le­sen, wie ich ei­nen kur­zen Schwung über die Hoch­schul­lei­tung der Uni Bie­le­feld ge­macht habe. Ich kann­te den Hoch­schul­sek­tor, ich war mit Fra­gen von stra­te­gi­schen Po­si­tio­nie­run­gen von Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­traut - ein­mal aus der Zeit in der Ber­tels­mann Stif­tung, ein­mal aus der Zeit der Stra­te­gie­be­ra­tung BCG. Und: Jack­pot: Ein Job­sha­ring Mo­dell mit ei­ner be­ruf­li­chen Weg­ge­fähr­tin und für uns bei­de ein coo­les Mo­dell, um nach der Fa­mi­li­en­grün­dung ei­nen tol­len Job und das Fa­mi­li­en­le­ben in Ein­klang zu brin­gen. Aber hät­te mir je­mand die Au­gen da­für ge­öff­net, dass ich gern mit kla­ren Ent­schei­dun­gen ar­bei­te und sie am liebs­ten so­gar sel­ber tref­fe - hier aber auf ein Um­feld traf, im eine ganz an­de­re Ent­schei­dungs­kul­tur leb­te... dann hät­te ich viel­leicht gründ­li­cher nach­ge­dacht. Die Feh­ler bei be­ruf­li­chen Ent­schei­dun­gen lie­gen häu­fig ge­nau hier: wo pas­se ich als PER­SON hin?

Um dazu ein ge­naue­res Ge­spür zu be­kom­men, emp­feh­le ich vie­le Ge­sprä­che mit Per­so­nen, die euch gut ken­nen, aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln. Geht los und fragt: Pa­ten, Ge­schwis­ter, Trai­ner, Freun­de....: wel­ches Bild hast du von mir? Kann ich gut mit Zeit­druck um­ge­hen? Mit Kon­flik­ten? Mit an­de­ren Leu­ten? Mit Rück­schlä­gen....? und so fort. Das ge­schärf­te Selbst­bild ist eine im­mens wich­ti­ge Grund­la­ge für eine gute Be­rufs­wahl. Sie gibt den Fil­ter, mit dem ihr zu­min­dest kla­rer be­stim­men könnt, was NICHT für euch in­fra­ge kommt. Und: alle Ge­sprä­che gern un­ter vier Au­gen, das er­laubt ein of­fe­ne­res Feed­back. Und ist so­gar in Co­ro­na Zei­ten gut mög­lich...

An­ker lich­ten – oder: war­um die­ses Log­buch?

Log­buch hört sich fast an wie Blog -nur riecht es mehr nach Aben­teu­er, Ex­pe­di­ti­on und Auf­bruch ins Un­be­kann­te. Das ist das, was auch Eure Be­rufs­wahl kenn­zeich­net. Ihr wisst nicht im­mer, wel­che Hür­den auf­tre­ten, wann ihr an­kommt oder wo­mög­lich ob ihr an­kommt – und wo!

Mein Ziel mit den Bei­trä­gen, die ich auf die­sem Blog ver­öf­fent­li­chen wer­de, ist, Euch In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, Euch an Er­fah­run­gen und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen teil­ha­ben zu las­sen. Also wird es um fol­gen­de The­men ge­hen:

- Wel­che Stu­di­en­gän­ge und Fä­cher gibt es, die nicht so ganz ge­wöhn­lich sind. Was macht z.B. ein Data Sci­en­tist? Man nennt sie ja auch die mo­der­nen Gold­grä­ber.

- Wel­che span­nen­den Bü­cher und Ar­ti­kel zum The­ma Be­rufs­wahl und Stu­di­en­wahl wür­de ich euch gern vor­stel­len oder zu­sam­men­fas­sen?

- Was kön­nen Alum­ni aus mei­ner Be­ra­tung aus ih­rem Wer­de­gang be­rich­ten und wel­che an­de­ren span­nen­den Le­bens­läu­fe wür­de ich Euch gern vor­stel­len?

- und wei­te­re The­men wer­den hin­zu­kom­men!

Auf geht´s – und lasst mich gern wis­sen wozu Ihr gern mehr fin­den möch­tet!

Tandem an Dünenweg.